Mein Reitertagebuch – KW 5 bis 17

ALS MENSCH OHNE PFERD UNTER DEM HINTERN IST MAN KEIN REITER MEHR, SONDERN NUR EIN FUSSGÄNGER

imageLiebes Reitertagebuch, ich hab dir schon lange nichts mehr geschrieben, denn ich war in den letzten Wochen, ach was rede ich da, Monaten (!) keine Reiterin mehr und irgendwie zu faul den Alltag eines Fußgängers mit Pferd aufzuschreiben. Jetzt saß ich wieder auf meinem Pferd drauf und ich denke, es wird höchste Zeit für ein Update hier auf dem Blog.
Kommen wir gleich zur Sache, wie lange saß ich nicht mehr auf dem Pferd? Ewig und zu lange, ist die einfachste Antwort. Die präzise lautet seit Kalenderwoche 5 also Anfang Februar nicht mehr. In der Zeit ist unheimlich viel passiert, doch ich hatte es die vorigen Sonntage nicht geschafft einen Bericht zu schreiben, um mit dem Reitertagebuch im Zweiwochen-Rhythmus zu bleiben, daher gibt es heute die Zusammenfassung aus mehreren Wochen. Zeitlich zurück geht es bis in die fünfte Kalenderwoche, da war noch Januar und kalter Winter.

In der Woche hatte ich mein Pferd noch normal geritten, wobei mir auffiel, dass er etwas klemmig war, allerdings nicht wie sonst im Rücken, sondern er stolperte paar mal und war überhaupt nicht lauffreudig. Das konnte zum Teil behoben werden, denn meine Tierärztin kam sowieso zu impfen vorbei und da sie zugleich in anderen Sparten der Pferdeheilkunde eine Expertin ist, bekam er eine osteopathische Behandlung und Akupunktur. Zwei Tage später war er im Rücken noch lockerer, schön gerade und stolperte nicht mehr, nur richtig gehfreudig war er in der Halle trotzdem nicht.

Zu Beginn der KW6 bekam er deswegen zwei Tage Pause und am dritten war das Hufeisen ab. Das vierte Mal in diesem Winter! Als ob es nicht schon seit Mitte Dezember genug Drama war, mit dem ständigen Verlieren des rechten Vorderhuf-Eisens und den ständigen Unterbrechungen des Reitens, hatte er auch noch ne doofe Mauke in dem ganzen Matsch entwickelt, die eine leichte Schwellung am rechten Hinterbein erzeugte. Also musste erst mal die behandelt werden und wir warteten sehnsüchtig auf den nächsten Hufschmiedtermin.

In der siebten Woche lag dann DER Hufschmiedtermin, der alles noch schlimmer machte, als es sowieso schon war. Als ob mein Pferd geahnt hat, was kommt, wollte er nicht in die Stallgasse reinlaufen, in der immer der Hufschmied seine Arbeit macht. Vielleicht hätte ich seine Weigerung da rein gehen zu wollen besser respektieren sollen, denn er wurde von mal zu mal unwilliger und diesmal mussten wir ihn mit Druck von hinten reinschieben. Es tut mir einfach nur leid, dass ich so doof war und das was er mir damit sagen wollte, nicht als Anlass genommen hatte, mir schon vorher einen anderen Schmied zu suchen. Im Nachhinein ärgert es mich so sehr, dass ich dem Hufschmied nochmal eine Chance gegeben hatte, seine Arbeit richtig zu machen. Zu viele Chancen! Die mein Pferd leider mit Schmerzen bezahlen musste.
Er war bei dem Termin sehr unruhig, wehrte sich hinten links, weil die Helferin das Bein zu weit hoch nahm und auch vorne zog er die Hufe weg, zudem zuckte er beim beschlagen vorne rechts, weil es wohl weh tat. Genau da musste es wohl passiert sein. Der Schmied bemerkte es und lies mein Pferd von der Helferin mehrfach noch mal im kleinen Kreis vorführen und guckte genau hin, doch gab dann sein Okay.

In dem Moment war ich happy, endlich nach ner Woche Pause am übernächsten Tag wieder loslegen zu können. Doch daraus wurde nichts. Ich ließ ihn zur Kontrolle in der Longierhalle laufen und sah, dass er lahmte. Je nach Hand zeigte er ein unterschiedlich stark auffälliges Kopfnicken. Er lief sich ein wenig ein, doch klar laufen ist was anderes.
Drei Leute fühlten an seinem Fesselgelenk vorne links eine leichte Pulsation und es war minimal auf der Innenseite wärmer. Erstmal hab ich Compagel drauf geschmiert und ihn in die Box gebracht.
Am nächsten Tag war er wie immer tagsüber draussen, allerdings weiß ich nicht, ob die Stallburschen nichts gesehen hatten oder nicht drauf geachtet hatten, als ich Abends nach der Arbeit zu ihm kam und ihn aus der Box holte, war er stocklahm. Also sofort den Tierarzt angerufen, der kam auch gleich und stellte eine eindeutige Lahmheit vorne rechts fest. Ja genau, vorne rechts und nicht links. Keine Ahnung warum dieser Wechsel, aber es war eindeutig rechts. Nach allem abtasten wurde beschlossen, das neue Eisen muss runter und das war das schlimmste für mein armes Pferd. Ich hab noch nie ein Pferd so vor Schmerzen stöhnen gehört und mir sind die Tränen gekommen, wischte sie aber schnell weg, weil ich nicht im Stall rumheulen wollte. Er bekam ein Schmerzmittel sowie Entzündungshemmer gespritzt und einen dicken Rivanolverband drum.

Und damit begann unsere wochenlange Odyssee aus Verbandswechsel, Metacam, zig Tierarztterminen, dem Hoffen auf ein Hufgeschwür, Loch reinschnipseln in den Huf bis es blutete, aber es kam kein Eiter, nur eine schwarze Masse in der Hufwand. Nein, es war kein Hufgeschwür, doch der Tierarzt sagte es nicht eindeutig, lavierte herum, zog es nur in vage Erwägung. Na, was könnte es wohl sein? Die Antwort heißt vernageln! Nicht direkt, sondern indirekt. Aber das spielt keine Rolle, mein Pferd hatte den Schaden und ich stand vor der Herausforderung die passenden Mittel und Wege zu wählen, damit mein Pferd wieder gesund und schmerzfrei wird.

Der Weg führte uns von der Boxenruhe zu kurzen Spaziergängen mit dem Filzpantoffel, über einen neuen Hufschmied, der einen anderen Beschlag wählte, nämlich Duplos, zu einem abgegrenzten Extrapaddock, auf den ich Heu und Wasser beschwerlich hinschleppen musste und schließlich zu einem endlich wieder reitbaren Pferd, zumindest im Schritt, wie es bei weiterer Belastung aussieht, wird sich noch zeigen.
Dazu kam in den Wochen noch einiges mehr, die Maukebehandlung, eine weitere Impfung, osteopathische Behandlung, denn ein Knacken im Gelenk vorne im Fesselgelenk war zu dem Unglück mit dem Schmied wieder gekommen und ebenfalls gab es wieder Akupunktur. Achja, und Husten war auch noch ein kleines Problem gewesen, was wir aber recht gut in den Griff bekamen.

Nach dem zweiten Termin mit dem neuen Hufschmied, der wirklich super vorsichtig beschlug und ganz viel Einfühlungsvermögen zeigte, konnte ich mir sicher sein, dass mein Pferd nun endlich keinen Schmerz mehr im Huf hat. Das modrige in der Hufwand war herausgewachsen und der Huf wächst nun anders. Ich hoffe so sehr, es geht nun in die richtige Richtung.

Jetzt ist längst Frühling, fast schon Sommer und drei Monate sind vergangen. Letzte Woche in KW17 war die Pferdewaage da. Was soll ich sagen? Wir sind beide in nem katastrophalen Zustand. Mein Pferd hat an Masse verloren und ich habe an Masse zugelegt. Es waren anstrengende Monate, weniger körperlich als mental. Meine bislang weiteste Reithose sitzt saueng, weil ich keinen Ausgleichssport gemacht habe. All die Fitness-Kampagnen auf Instagram hab ich zwar gesehen, doch motiviert haben sie mich nicht. Im Gegenteil, ich war ganz schön demotiviert und hab mich hängen lassen. Ich hab auch keine richtige Bodenarbeit mit meinem Pferd gemacht, irgendwie macht mir das bislang noch immer keinen richtigen Spaß.
Ja, ich will reiten, wenn ich ein Pferd habe. Ich möchte eine Reiterin sein und am liebsten die reiterlichen Ziele schaffen, die ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, aber es wird schwer werden, diese zu packen, denn die Ausgangslage ist noch miserabler als im Januar. Motivation aus einem Tief heraus zu finden ist nicht leicht, der Weg der vielen kleinen Schritte führt dahin. Bitte mehr vorwärts, als rückwärts! Ich hoffe es.

[Beitrag enthält unbezahlte Werbung und Verlinkungen ohne Beauftragung dazu.]

0 Gedanken zu “Mein Reitertagebuch – KW 5 bis 17

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.