Hilfe, ich bin ein Wiedereinsteiger?! – Teil 2

KEINE ZWEIFEL, KEINE ÄNGSTE

Ich hatte mich entschieden wieder Reiten zu gehen. Trotz der teuren Startinvestitionen stellte ich es überhaupt nicht in Frage, dass ich wieder reiten werde und dabei bleiben werde. Es gab kein langes überlegen, erst recht nicht nachdem ich die Reitbekleidung zusammen hatte. Ich meine, man hätte sich ja auch ne bequeme Leggins oder Jeans nehmen können, ein paar günstige Gummistiefel und den ollen Reithelm. Hätte ausgereicht, um sich einfach mal wieder aufs Pferd zu setzen. Doch ich wußte ganz genau, ich muss nicht ausprobieren, ob es mir wieder Spaß machen wird oder ob ich dabei bleiben werde. Der Entschluss stand felsenfest, ich werde wieder reiten!
Es waren ja nur “ein paar wenige Jahre” her, als ich das letzte Mal auf dem Pferd gesessen bin und ich war überzeugt, dass man Reiten ebenso wie Fahrradfahren oder Schwimmen nicht verlernen kann. Wie ich dann am eigenen Leib erfahren musste, richtig verlernt hatte ich es nicht, doch so ganz wie früher klappte es nicht.

In der ersten Reitstunde, die Reitlehrerin wusste selbstverständlich von meiner mehrjährigen Reitpause, traute ich mich gleich alle Gangarten zu reiten. Das war für sie sehr überraschend, denn andere Wiedereinsteiger trauen sich das nicht, vor allem nicht zu galoppieren.
Wir hatten den Großteil der halben Einzelstunde, hauptsächlich mit Schritt und Trab verbracht und ich durfte auch gleich frei, also ohne Longe reiten. Der Unterricht war eigentlich schon vorbei, als ich die junge Reitlehrerin fragte, ob ich denn nicht mal galoppieren dürfte. Sie fragte mich ganz überrascht, ob ich das auch wirklich will oder es mir nicht für die nächste Stunde aufheben möchte. Nein, ich wollte es heute schon probieren. Es klappte ganz gut, es war ein liebes Schulpferd. Die Reitlehrerin meinte, das hätte sie noch nie erlebt bei einem Wiedereinsteiger.
Was war ich glücklich danach. Und der Muskelkater erst! Ich bin schier gestorben, so weh tat das! Eine komplette Woche haben die Schmerzen angehalten. Trotzdem, die Entscheidung zur nächsten Unterrichtsstunde zu gehen war klar. Ich freute mich. Es war wunderschön, wieder auf einem Pferd sitzen zu können. Auch wenn ich nicht mehr reiten konnte wie früher. Das Körpergefühl war anders.

Und der Geruch! Ja das ist so etwas, was einem anfangs schon merkbar auffällt. Wenn nicht nur die Klamotten, sondern wenn man als ganzer Mensch wieder nach Pferd riecht. Die erste Zeit war das ungewohnt und der Geruch merkwürdig. Das änderte sich recht bald. Heute nach mehreren Jahren kann ich gar nicht mehr genug von diesem herrlichen Pferdegeruch bekommen und rieche gerne an meinem Pferd, tauche meine Nase in sein Fell und fühle mich gut.

Die ersten Monate ritt ich meist einmal die Woche, meine Muskeln gewöhnten sich an die noch im Kopf vertrauten Bewegungen und vieles was ich vergessen oder verdrängt hatte, kam wieder in Erinnerung. Ich ritt auf verschiedenen Schulpferden und testete unterschiedliche Reitschulen aus.

Es ist nunmal so, dass man, selbst wenn man körperlich nicht mehr so fit wie früher ist, trotzdem schnell merkt, ob man mit dem jeweiligen Pferd zurecht kommt, was es kann und ob man sich darauf wohl fühlt. Zumindest kann man das meiner Meinung nach beurteilen, wenn man früher schon einige Jahre und viele verschiedene Pferde geritten ist. Leider konnten viele der Schulpferde nicht besonders viel, was logischerweise keine große Überraschung darstellte, dennoch war es eine gewisse Enttäuschung.
Hatte ich doch in Erinnerung, dass die Schulpferde meiner Jugend ein bisschen mehr drauf hatten und man mit Ihnen Abzeichenprüfungen machen und Einsteigerturniere reiten konnte.

Ich war also nicht lange damit zufrieden, auf Schulpferden zu reiten und schaute mich nach einer Reitbeteiligung um.

Das ist die nächste Geschichte!

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