Doping bei Freizeitreitern

EIN PÜLVERCHEN HIER, EINE KRÄUTERMISCHUNG DORT

Habt ihr schon mal Zusatzfuttermittel gefüttert oder lebt euer Pferd nur von Gras, Heu, Stroh, Kraftfutter und Mineralfutter? Ich gebe zu, ich gehöre zu den Pferdebesitzern die ihrem Pferd Zusatzfuttermittel füttern. Das war nicht immer so. Am Anfang bereitete es mir einige Kopfzerbrechen diese Entscheidung zu treffen. Denn ich hatte meinem früheren Pferd keine Zusatzfuttermittel gefüttert. Er hatte sein Lebtag bei mir nur Basisfuttermittel bekommen, was nichts anderes war als Hafer, mineralisierte Vollwertpellets, Heu, Stroh, Gras und gelegentlich Saftfutter.

Früher gab es auch nicht so viele verschiedene Mittel und ohne Internet hatte man nicht den Zugang zu so vielen Produkten, wie heutzutage. Die Auswahl an Zusatzfuttermitteln ist riesig geworden. Man kann gar nicht alles mehr kennen und wissen.
Es geht übrigens in diesem Beitrag nicht (nur) um Mineralfutter oder solche Ergänzungsfuttermittel, die einen Nährstoffausgleich bieten, der im normalen Futter fehlt. Sondern es geht hauptsächlich um solche Zusatzfuttermittel, die eine gewisse medizinische und therapeutische Wirkung haben. Sei es zur kurzfristigen Regeneration, langanhaltenden Unterstützung oder Schmerzminderung bei gesundheitlichen Problemen.

Bei speziellen Bedürfnissen google ich jedes Mal aufs Neue und finde wieder Anbieter, die ich vorher noch nicht kannte. Die Produktpalette ist selbst bei einem Anbieter oft schon so groß, dass man Tage damit verbringen könnte, sich alles anzuschauen. In der Regel beschränke ich mich dann erstens auf die akuten Wehwehchen und eine gute Handvoll Anbieter, bei denen ich mir dir passenden Produkte genauer ansehe, um dann eine Entscheidung zu treffen. Meistens handelt es sich bei den Präparaten, nach denen ich bisher gesucht habe, um Zusatzfuttermittel zur allgemeinen Verbesserung und Gesundheitsvorsorge, weniger aus einer schwerwiegenden medizinischen Indikation heraus. Sowas überlasse ich dann doch lieber einem Tierarzt.
Die Grenze zwischen Präparaten, die als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft werden und solchen, die nur als Medikamente zu bekommen sind, wird durch den weltweiten Internethandel allerdings immer weiter verschoben, in Richtung noch mehr verfügbare freiverkäufliche Medikamente.

Egal in welchem Stall ich bisher war, so fiel mir auf, dass wirklich in jedem eine ganze Armada an Produkten in den Futterkammern und Schränken gelagert wird. Es ist nicht mehr so wie früher, dass man dem Stallpersonal die Fütterung überlässt. Früher waren das, jedenfalls bei mir, entweder Landwirte oder ausgebildete Pferdefachwirte. In den Ställen, in denen ich die letzten Jahre gewesen bin, wurden diese zwar auch oft noch von Landwirten geführt, doch irgendwie kommt es mir vor, dass der Background viel öfters als früher aus der Viehwirtschaft stammt, als aus einer langjährigen Pferdehaltung. Ebenso oft habe ich als Stallmitarbeiter ausländische Helfer angetroffen, die oft noch nicht mal richtig Deutsch sprechen können. Man kann somit leider nicht mit Ihnen über die Fütterung reden. Es ist leider nicht mehr so, jedenfalls aus meiner Sicht, dass man sich auf die erfahrenen Leute im Stall verlassen kann, auf das ‘Auge des Stallmeisters’, sondern vielmehr muss man selbst ein Auge drauf haben, was das Pferd so bekommt und ob das passt. Man kann seinen Tierarzt um Rat fragen oder lässt spezialisierte Futterberater kommen. Nur das machen in der Regel die wenigsten Pferdebesitzer.

Da man selbst kein Experte in Sachen Pferdefütterung ist, wird dem Pferd oft einiges reingestopft, von dem man denkt, es könnte gut sein. Dazu gehören dann diese ganzen Zusatzfuttermittel, die zudem teuer gekauft werden. Schaut man sich diese genauer an, fällt auf, dass in diesen oft Inhaltsstoffe aufgeführt werden, die eigentlich unter Doping fallen. Zumindest wenn man unter Doping das versteht, was die FN/FEI in ihrer Liste aufführt. Hier mal der Link zu der FN-Liste:

https://www.pferd-aktuell.de/misc/filePush.php?id=1175&name=Listen_der_verbotenen_Substanzen_Stand_06_12_2012.pdf&products_model=20606

So manch einer füttert seinem Pferd regelmäßig Produkte zur gesundheitlichen Förderung oder sogar Schmerzunterdrückung, die eindeutig in der Liste der Dopingmittel aufgeführt werden. Sicherlich kann man den Einwand bringen, der Freizeitreiter reitet nicht unter FN-Bedingungen und nimmt an keinen Turnieren teil. Demnach kann er ja füttern was er möchte. Das stimmt soweit. Ich finde man soll sich im Bewusstsein halten, dass man dann eben nicht in jeder Hinsicht einen fairen Sport mit einem topfitten Partner betreibt. Die FN läßt das ganze Thema genau unter diesem Begriff laufen, dem fairen Sport. Dieser wird auch von unseren Aushängeschildern, der großen Stars, den Olympia- und Nationenpreisteilnehmern erwartet, denn wenn Sportpferde gedopt werden, gibt es immer einen riesen Aufschrei.

Die Dopingverordnung der FN listet eine Menge an Stoffen auf, die nachgewiesen werden können und bei einem positiven Befund zu einer Dopingsperre führen. So manch ein bekannter Turnierreiter oder Olympia-Teilnehmer, beziehungsweise deren Pferde, wurde schon positiv getestet. Ein positives Testergebnis, kann zur zur Folge haben, dass sie eine Sperre bekommen. Sie müssen dann für einen bestimmten Zeitraum vom Turniersport aussetzen. Dieses Urteil hängt einigen erfolgreichen Reiter selbst nach Jahren und Jahrzehnten immer noch an und manch einer bringt es immer wieder durch Kommentare ins öffentliche Gedächtnis. Es führt zu einer Verurteilung auf Lebzeiten, selbst wenn es nur ein Bagatellfall war oder ein Versehen. Sicherlich kann man absichtliches Doping nicht entschuldigen und wer betrügt, soll bestraft werden. Nur kann so ein positives Testergebnis schneller passieren als man denkt und wer kennt denn wirklich alles? Es gab auch den Fall, dass ein Turnierpferd beim grasen lassen Pflanzen gefressen hat, die ein positives Testergebnis verursacht haben. Das muss man sich immer vor Augen halten, wenn man pflanzliche Mittel an sein Pferd füttert, selbst wenn es nur ein paar Kräuterchen sind, diese können unter die strengen Regularien der Dopingverordnung fallen und sind somit bei Turnierpferden verboten.

Bei Freizeitpferden ist das dann egal? Es kontrolliert ja niemand und selbst wir Menschen nehmen teilweise genau die gleichen Mittelchen, damit es uns besser geht. Ich finde als Freizeitreiter, der Zusatzfuttermittel füttert, darf man sich nicht moralisch über die angeblich so bösen Turnierreiter stellen, die ihre Pferde dopen, um damit große Leistungen von ihren Pferden abverlangen zu können. Wenn der kleine Bummelritt oder die Anfängerdressurstunde mit dem Pferd nur noch gemacht werden können, weil das Pferd seine Mittelchen bekommt, dann ist das kein 100% fairer Sport im Sinne der FN. Es ist gut, wenn das Pferd dadurch weniger Schmerzen hat. Das Ziel mit diesen Produkten ist, das Pferd als Reittier (weiterhin) nutzbar zu machen, damit man seinen Spaß haben kann. Bei manchen Pferden dienen die Zusatzfuttermittel nur zur besseren Unterstützung bei leichten Problemen, das Pferd wird damit ein wenig belastbarer, regeneriert schneller oder Altersproblemchen werden angemildert. Sicherlich gibt es auch Einzelfälle, in denen Pferde ohne diese Produkte gar nicht mehr beschwerdefrei geritten werden können.

Man kann jetzt für sich selbst und das Pferd überlegen, wie weit man gehen möchte. Sicherlich spielt die Tatsache, ob man noch ein junges oder altes Pferd mit Problemen hat, eine Rolle und was man von dem Pferd noch abverlangen möchte.
Bei der den Verwendung von Zusatzfuttermitteln mit therapeutischer Wirkung, geht es meistens um die Erhaltung der Reitbarkeit eines Pferdes, nicht nur um alleinige Schmerzminderung, denn bei so mach einem reinen Rentnerpferd, werden die Mittel dann gar nicht mehr eingesetzt.
Es ist nicht nur der Spitzensport, der Pferde für sportliche Höchstleistungen “dopt”, auch der kleine Freizeitreiter nutzt die verfügbaren Mittelchen, um seinen eigenen Spaß zu befriedigen. Ob man das abgesehen von irgendwelchen FN/FEI-Regularien auch als Doping bezeichnen kann oder gar sollte, steht zur Diskussion offen.

[Beitrag enthält unbezahlte Werbung und Verlinkungen ohne Beauftragung dazu.]

Bildquelle:
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