Eventbericht – Trakehner-Fohlenschau auf Gestüt Hämelschenburg

TRAKEHNERS-SCHÖNHEITEN ZUM VERLIEBEN

Nach dem Besuch auf der Equitana Open Air ging es am nächsten Tag weiter in eine Region in Deutschland, in der ich noch nie gewesen bin. Das Trakehnergestüt Hämelschenburg liegt im Weserbergland und in der Nähe von Hameln, welches ich nur von der Geschichte über den Rattenfänger kenne.

IMG_1348_1Bei schönstem Wetter fuhren wir morgens aus dem Sauerland, wo wir übernachtet hatten, in eine sanft hügelige Gegend mit vielen Alleestraßen und kamen an einem tollen Schloß schließlich an. Auf der Gestütswebseite und ein paar Fotos hatte ich es bereits gesehen, nun hier zu sein, machte es umso schöner. Da die Veranstaltung bald begann, wollten wir uns das Schloß erst später ansehen.

Hinter dem Schloß lagen die Stallungen und der Reitplatz auf dem die Fohlenschau stattfinden sollte. Die Sitzplätze waren noch fast alle frei und die Besucher schlenderten durch die Stallungen oder holten sich einen Kaffee. Wir taten es ihnen gleich und betraten eine Stallgasse in der wir den ersten tollen Hengsten in die Augen schauen konnten. Die Hengstnamen waren mir zumeist geläufig, denn wer sich für Trakehner interessiert und sich über die Trakehnerzucht informiert, kommt nicht um das bekannte Gestüt Hämelschenburg der Familie Langels herum.

IMG_1366Der bekannteste Hengst aus diesem Gestüt dürfte wohl Kostolany sein und wer sich mal für die Abstammung des noch berühmteren Totilas interessiert hat, der wird Kostolany als Großvater darin finden. Leider konnte ich ihm nicht wie seinem Enkel mal über die Nase streicheln, denn er lebt nicht mehr.

DSC05154Quicklebendig ging es stattdessen im Fohlenstall zu. Es war für mich ein toller Moment mal wieder Fohlen zu sehen, denn in den üblichen Reitställen sieht man keine Fohlen und die Zeit als ich bei einem Hobbyzüchter mit im Stall stand, ist schon lange vorbei. Herzallerliebst guckten einen die putzigen Fohlen an, manche waren neugierig, andere versteckten sich schüchtern hinter der Mutter und manch eine Mutter schirmte ihren Nachwuchs vor den vielen Blicken ab, insbesondere zur Nachbarstute. Da wurde deutlich klar gemacht, wem der kleine Spatz gehörte.

Leider verweilten wir ein wenig zu lange im Stall und als wir wieder raus liefen, waren die besten Sitzplätze natürlich weg. Ich ärgerte mich ein wenig, vor allem weil zwei ältere Herrschaften eine ganze Sitzbank für sich beanspruchten, aber man ist ja noch jung und so stellten wir uns eben hin, Hauptsache es war im Schatten, denn in der Sonne wollten wir nicht so gerne brutzeln.
Die Fohlenschau begann mit einer kurzen Vorführung der jungen Enkelin des Hauses mit ihrem Pony, das klebte aber ziemlich am Eingang und eine besondere Kür zur Filmmusik von Bibi Blocksberg konnte ich nicht erkennen. Leider ritt sie zudem ohne Helm.

Dann kam schon gleich der erste Hengst an der Hand rein, es war Alter Fritz und mit Jahrgang 1995 nicht mehr der jüngste. Es wurde angemerkt, wie vor paar Wochen bei anderen Trakehnerhengsten in Hörstein ebenso, dass ihm gerne noch ein paar Stuten mehr zugeführt werden könnten. Mich sprach der Hengst nicht so sehr an und vermutlich geht es anderen genauso. Vom ersten Fohlen in der Bahn war er der Vater und der zweite vorgeführte Hengst Saint Cyr der Großvater, dieser gefiel mir schon besser. Später wurde noch der Deckhengst Shavalou vorgeführt, der mir – trotz der Traumfarbe in schwarzbraun mit Blesse – ebenso weniger gut gefiel, als Saint Cyr.

DSC03937_1

Ein süßes Fohlen nach dem anderen kam rein, viele hatten Saint Cyr als Vater, aber auch andere Hengste. Die Fohlen waren alle noch sehr jung und nur paar Wochen alt, eins war gerade wenige Tage alt und wurde natürlich nicht bewertet. Ein anderes der Fohlen fiel dadurch auf, dass es leider nur noch ein Auge hatte, wenige Tage nach der Geburt hatte es durch einen Unfall das Auge verloren. Ob so ein Pferd dann im Sport erfolgreich wird, ist fraglich, da es eine Stute ist, vermute ich mal, ist der Weg als Zuchtstute wahrscheinlicher.
DSC04550_1

Es waren ausgesprochen hübsche Fohlen dabei, ein Rappfohlen mit weißem Stern fiel mir besonders auf, blieb es mehrfach vor mir stehen und guckte uns Zuschauer für einen Moment an. Dieses und auch das einäugige Fohlen wurden später prämiert, zusammen mit vier weiteren Stutfohlen. Bei den Hengstfohlen wurden drei prämiert, wobei nur fünf teilnahmen und es fast dreimal so viele Stutfohlen waren. Die prämierten dürfen, so wie ich mitbekommen hatte, nach Hannover fahren, um auf der Fohlenauktion beim Bundesturnier versteigert zu werden.

IMG_1411_1Nach der Siegerehrung zog es mich noch mal in den Stall und am hinteren Eingang wurde gerade ein Fohlen gebrannt. Dieses schaute ich mir später genauer an und merkte es war jenes, welches mir schon im Ring sehr gut gefallen hatte.
Ich sprach spontan den Besitzer an, ob das Fohlen verkäuflich sei. Voraussichtlich schon, nur noch nicht jetzt, denn sie wollen damit auf die Fohlenauktion nach Hannover gehen. Man sieht sich ja dann dort wieder, verabschiedete er sich von mir. Das war verständlich, denn dort lassen sich bestimmt gute Preise erzielen.

DSC05132_1Ich machte nochmal die Runde im Fohlenstall, viele Fohlen schliefen, denn sie waren müde von der ungewohnten Anstregung. Ein kleines Fuchsfohlen mit unregelmäßiger Blesse fiel mir erst auf, es war quietschfidel, denn es war bereits am Anfang dran gewesen. Es war sehr zutraulich. Leider war es keins, das platziert gewesen ist. Es war sicherlich günstiger zu haben, als das schicke Rappstutfohlen. Andererseits würde ich momentan kein Fohlen kaufen, erstens brauche ich kein zweites Pferd und wenn dann lieber eins, das man schon reiten kann. Solange mein Pferd noch ‘jung’ genug ist und ich keine Ambitionen entwickle, die ein zweites Pferd notwendig machen würden, reicht mir ein Pferd völlig aus.

IMG_1441_1Beim Blick in die Reithalle entdeckte ich dann einen alten Senior, das war nun wirklich ein schon älteres Pferd. Er spazierte seine Runden in der Halle herum, blieb manchmal am Eingang stehen und schaute in die Ferne. Besonderes Interesse an uns Menschen zeigte er nicht. Neben mir standen noch zwei Männer, der eine meinte, er habe gerade ein Fohlen von dem Hengst bekommen. Es war der Hengst Exclusiv, der im Jahr 1991 geboren wurde. Bei den Trakehnern ist es so, dass der Name immer den Anfangsbuchstaben nach der Mutter bekommt, also war klar, dass er aus einer E-namigen Linie stammte, genau wie der Vater meines Pferdes, sozusagen ferne Verwandtschaft und zufälligerweise sogar aus dem gleichen Stutenstamm der Elfe von Adamas ox.
Plötzlich stand ein älterer Herr neben mir und bestätigte, was die beiden anderen Männer sagten, um welchen Hengst es sich handelt. Dann schaute er mich an und meinte, es sei immer wichtig, die guten Pferde an gute Reiter zu vermitteln, damit die Pferde Sporterfolge sammeln können.

IMG_1365Damit hatte er natürlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer als Züchter erfolgreich sein will, braucht nicht nur gute Pferde, sondern muss ebenso gute Reiter finden. Selbst als Freizeitreiter träumt man davon, ein gutes Pferd zu finden, mit dem man Freude beim Reiten hat, doch ohne Turniere und öffentliche Auftritte, bekommt niemand etwas davon mit und der Züchter hat ebenso nichts davon. Eigentlich tut jeder Züchter nur gut daran, seine Pferde nicht nur in gute Hände, sondern auch in erfolgreiche zu verkaufen, denn jeder Erfolg seiner gezüchteten Pferde, ruft wahrscheinlich Interessenten hervor, die nach Geschwistern der Erfolgspferde nachfragen.
Der Züchter der jungen Rappstute tut also gut daran, mir sein Pferd nicht zu verkaufen, denn ich bin nur eine popelige Wald-Wiesen-Reiterin und ob ich jemals wieder an einer Turnierprüfung teilnehme steht in den Sternen. Vielleicht ist der Zug dafür längst abgefahren? Von tollen Pferden träumen darf man selbstverständlich und selbst züchten wäre eine Option, die theoretisch offen stünde.
Der ältere Herr war übrigens Otto Langels, aber das fiel mir erst in dem Moment ein, als er wieder davon ging. Wäre die Gelegenheit gewesen, sich mehr mit ihm zu unterhalten. Naja, verpasst.

Verpasst haben wir auch eine Schloßbesichtigung, denn der Weg war abgesperrt und zum anderen Eingang sind wir nicht mehr hin, weil wir nach Hause wollten und ich noch ne Runde ausreiten, bei der dann der blöde Sturz passierte.

IMG_1397Mal sehen, ob ich nach Hannover zum Trakehner Bundesturnier fahre, um die Fohlenauktion anzusehen, Hannover liegt nicht gerade um die Ecke. Ich glaub, ich schau mich lieber auf Veranstaltungen in der heimatlichen Region um, wobei ich bisher den Eindruck habe, dass sich mehr Trakehnerzüchter im Norden finden lassen. Sowieso ist die Pferdesuche bei uns ziemlich schwierig. Dazu mehr in einem kommenden Blogbeitrag.

[Beitrag enthält unbezahlte Werbung und Verlinkungen ohne Beauftragung dazu.]

0 Gedanken zu “Eventbericht – Trakehner-Fohlenschau auf Gestüt Hämelschenburg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.